Zusammenfassung
Eine Kürettage ist ein medizinischer Eingriff , bei dem Gewebe aus der Gebärmutterhöhle abgetragen wird. Es ist einer der häufigsten gynäkologischen Eingriffe überhaupt. Man unterscheidet zwischen der diagnostischen und der therapeutischen Kürettage. Die diagnostische Form dient der Abklärung von Auffälligkeiten wie unklaren Blutungen oder einem auffälligen Ultraschallbefund. Die therapeutische Kürettage wird durchgeführt , um Gewebe zu entfernen , beispielsweise nach einer Fehlgeburt oder bei einer unvollständigen Abtreibung.
Der Eingriff selbst dauert meist nur wenige Minuten und erfolgt in der Regel unter einer kurzen Vollnarkose oder einer regionalen Betäubung. Mit einem löffelartigen Instrument , der Kürette , wird die Gebärmutterschleimhaut vorsichtig abgetragen. Das gewonnene Gewebe wird anschließend im Labor feingeweblich untersucht.
Nach dem Eingriff sind leichte Blutungen und ein ziehendes Gefühl im Unterbauch normal. Komplikationen wie stärkere Blutungen , Infektionen oder Verletzungen der Gebärmutterwand sind selten , aber möglich. In Wien und ganz Österreich ist die Kürettage ein etablierter Standardeingriff , der in Krankenhäusern und spezialisierten Praxen durchgeführt wird. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen , wenn der Eingriff medizinisch notwendig ist.
Was ist eine Kürettage?
Das Wort Kürettage kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „Ausschabung“. Im medizinischen Sprachgebrauch , vor allem in der Gynäkologie , ist damit die Ausschabung der Gebärmutterhöhle gemeint. Fachsprachlich heißt der Eingriff auch Abrasio uteri. Es geht dabei darum , die oberste Schicht der Gebärmutterschleimhaut , das Endometrium , kontrolliert zu entfernen.
Viele verbinden den Begriff sofort mit einem Schwangerschaftsabbruch. Das ist aber nur ein möglicher Anwendungsfall. Tatsächlich ist die Kürettage ein vielseitiges Instrument. Sie kann klären , warum etwas nicht in Ordnung ist. Oder sie kann ein Problem direkt beheben. Man unterteilt sie deshalb in zwei Hauptarten.
Die diagnostische Kürettage dient der Ursachenforschung. Der Arzt entnimmt Gewebe , um es unter dem Mikroskop untersuchen zu lassen. Das gibt Aufschluss über Zellveränderungen. Die therapeutische Kürettage hat das Ziel , störendes oder krankhaftes Gewebe zu entfernen. Beide Formen können auch kombiniert werden. Oft wird Gewebe , das aus therapeutischen Gründen entfernt wird , im Anschluss ebenfalls zur Diagnose ins Labor geschickt.
Der Eingriff ist sehr verbreitet. In Österreich gehört er zu den Routineeingriffen in der Frauenheilkunde. Die Technik ist seit langem erprobt und gilt bei korrekter Durchführung als sicher und effektiv.
Wann wird eine Kürettage durchgeführt?
Die Gründe für eine Ausschabung sind vielfältig. Sie reichen von der Abklärung unklarer Beschwerden bis zur Behandlung konkreter Komplikationen. Ein häufiger Anlass sind Veränderungen der Monatsblutung.
Starke , verlängerte oder unregelmäßige Blutungen können ein Hinweis sein. Auch Blutungen nach den Wechseljahren müssen immer abgeklärt werden. Hier geht es darum , gutartige Wucherungen wie Polypen oder Myome zu finden oder auszuschließen. Vor allem aber soll geklärt werden , ob keine bösartigen Veränderungen vorliegen. "Die Abrasio ist nach wie vor der Goldstandard in der Diagnostik von pathologischen Blutungen , insbesondere zum Ausschluss eines Endometriumkarzinoms." , [Prof. Dr. med. univ. , Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe , Leiter einer Abteilung an einem Wiener AKH , 2023] [1]
Nach einer Fehlgeburt ist eine Kürettage oft notwendig. Wenn nicht alles Gewebe von selbst abgeht , spricht man von einem „abortus incompletus“. Zurückbleibendes Gewebe kann zu gefährlichen Infektionen oder anhaltenden Blutungen führen. Die Ausschabung beendet den Prozess und schafft eine saubere Ausgangslage für den nächsten Zyklus.
Bei einem Schwangerschaftsabbruch wird die Methode ebenfalls angewendet. Sie ist eine Möglichkeit , eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden. In Österreich wird dieser Eingriff unter den gesetzlich geregelten Bedingungen durchgeführt.
Weitere Gründe sind die Entfernung von Polypen oder gutartigen Schleimhautwucherungen. Auch nach einer Geburt kann es nötig sein , wenn Plazentareste in der Gebärmutter verbleiben. Manchmal dient die Kürettage auch der gezielten Gewinnung von Schleimhaut für die Kinderwunschbehandlung.
Wissen Sie was? Viele Frauen sind unsicher , wenn ihr Gynäkologe eine Ausschabung vorschlägt. Das ist völlig normal. Oft hilft es schon , genau zu verstehen , welches Ziel der Eingriff hat. Geht es um eine Diagnose? Oder um eine Behandlung? Diese Frage zu klären , nimmt oft schon einen Teil der Angst.
Wie läuft eine Kürettage ab?
Die Vorbereitung beginnt mit einem ausführlichen Aufklärungsgespräch. Der Arzt erklärt den Ablauf , die Narkose und die möglichen Risiken. Vor dem Eingriff finden standardmäßig Untersuchungen statt. Dazu gehören ein aktueller Abstrich vom Muttermund , ein Blutbild und oft ein Ultraschall. Der Ultraschall gibt Aufschluss über die Größe und Lage der Gebärmutter. Das ist wichtig für die sichere Durchführung.
Der Eingriff selbst findet meist in einem kleinen Operationssaal statt. Für die Patientin beginnt es mit der Narkose. Sehr häufig wird eine kurze Vollnarkose gewählt. Man schläft innerhalb von Sekunden ein und wacht erst wieder auf , wenn alles vorbei ist. Das hat den Vorteil , dass man nichts von der Prozedur mitbekommt. Alternativ ist auch eine Regionalanästhesie möglich , bei der nur der Unterleib betäubt wird.
In Rückenlage werden die Beine in Halterungen gelegt , ähnlich wie bei einer normalen gynäkologischen Untersuchung. Der Arzt desinfiziert sorgfältig den Scheidenbereich. Dann wird ein Spekulum eingeführt , um die Scheidenwände auseinanderzuhalten und den Muttermund sichtbar zu machen.
Nun folgt ein entscheidender Schritt. Der Gebärmutterhalskanal wird mit speziellen Stiften , den Hegarstiften , vorsichtig aufgedehnt. Das ist notwendig , um die Instrumente einführen zu können. Dieser Moment wird von vielen Frauen unter Regionalanästhesie als ein Druckgefühl beschrieben.
Jetzt kommt die Kürette zum Einsatz. Das ist ein löffel , oder ringförmiges Instrument mit scharfen Kanten. Der Arzt führt sie durch den geöffneten Muttermund in die Gebärmutterhöhle ein. Mit vorsichtigen , kratzenden Bewegungen wird die Schleimhaut von der Gebärmutterwand abgetragen. Oft wird vorher oder nachher eine sogenannte Saugkürettage durchgeführt. Dabei wird mit einem dünnen Röhrchen Gewebe abgesaugt. Diese Kombination ist schonender und ergiebiger.
Das gesamte gewonnene Gewebe , das Abradat , wird in einem Behälter gesammelt und zur pathologischen Untersuchung geschickt. Der Pathologe fertigt davon feine Schnitte an , färbt sie ein und begutachtet die Zellen unter dem Mikroskop. Dieses Ergebnis liegt meist nach einigen Tagen vor.
Der eigentliche Eingriff dauert oft nur 5 bis 15 Minuten. Anschließend kommt die Patientin für einige Stunden in den Aufwachraum. Dort werden die Vitalzeichen überwacht. Sobald die Narkosewirkung nachlässt und man sich stabil fühlt , kann man in der Regel noch am selben Tag nach Hause gehen. Eine Begleitperson für den Heimweg ist jedoch Pflicht.
Der Kern des Eingriffs ist die kontrollierte Entfernung der Gebärmutterschleimhaut zur Diagnose oder Therapie , ein Prozess , der medizinisch standardisiert und in der Regel komplikationsarm verläuft.
Was gibt es für die erste Zeit nach der Kürettage zu beachten?
Die ersten Stunden nach dem Eingriff verbringt man in der Klinik. Es ist normal , dass man sich noch etwas müde und benommen von der Narkose fühlt. Im Unterbauch kann ein ziehendes Gefühl spürbar sein , ähnlich wie bei Regelschmerzen. Die Schwestern geben bei Bedarf ein Schmerzmittel.
Leichte Blutungen oder bräunlicher Ausfluss in den Tagen nach der Kürettage sind völlig normal. Das kann bis zu zwei Wochen anhalten. Stärkere Blutungen , bei denen man eine Binde pro Stunde vollständig durchblutet , sind dagegen ein Warnzeichen. Dann sollte man sofort Kontakt mit dem Arzt oder der Klinik aufnehmen.
Körperliche Schonung ist in den ersten Tagen wichtig. Schweres Heben , anstrengender Sport und Saunabesuche sollte man vermeiden. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist dagegen förderlich. Viele Frauen fragen sich , wann sie wieder arbeiten können. Bei einem Bürojob ist das oft nach zwei bis drei Tagen möglich. Bei körperlicher Arbeit kann eine Krankschreibung von einer Woche oder mehr sinnvoll sein.
Ein besonderes Thema ist die Hygiene. Um Infektionen zu vermeiden , sollte man in den ersten zwei Wochen auf Baden , Schwimmen und Vollbäder verzichten. Duschen ist problemlos möglich. Tampons sind in dieser Zeit tabu , stattdessen sollten Binden verwendet werden.
Auch der Geschlechtsverkehr sollte für mindestens zwei Wochen pausiert werden. Das gibt der Gebärmutterschleimhaut Zeit , sich zu erneuern , und senkt das Infektionsrisiko erheblich. Der nächste Eisprung kann schon etwa zwei Wochen nach dem Eingriff erfolgen. Eine Schwangerschaft ist dann theoretisch wieder möglich. Wer einen Kinderwunsch hat , kann oft schon im übernächsten Zyklus wieder versuchen , schwanger zu werden. Bei einem Abbruch oder nach einer Fehlgeburt ist die psychische Verarbeitung jedoch mindestens genauso wichtig wie die körperliche.
In Wien gibt es zahlreiche Anlaufstellen für psychosoziale Nachbetreuung , etwa bei Frauengesundheitszentren oder spezialisierten Beratungsstellen. Das in Anspruch zu nehmen , ist keine Schwäche , sondern ein verantwortungsvoller Umgang mit sich selbst.
Welche Komplikationen können auftreten?
Wie bei jedem operativen Eingriff gibt es Risiken. Bei der Kürettage sind diese jedoch vergleichsweise gering , wenn sie von einem erfahrenen Arzt durchgeführt wird. Die allermeisten Eingriffe verlaufen ohne Probleme.
Das häufigste Risiko sind Nachblutungen. Meist sind sie leicht und hören von selbst auf. In seltenen Fällen kann eine stärkere Blutung eine zweite Ausschabung oder sogar eine Bluttransfusion notwendig machen. Infektionen sind ein weiteres Risiko. Keime können über die Instrumente in die Gebärmutter aufsteigen und eine Entzündung verursachen. Symptome wären anhaltende Unterbauchschmerzen , übelriechender Ausfluss und Fieber. Solche Infektionen werden mit Antibiotika behandelt.
Eine gefürchtete , aber sehr seltene Komplikation ist die Perforation. Dabei wird die Wand der Gebärmutter mit einem Instrument versehentlich durchstoßen. In den meisten Fällen heilt so eine kleine Verletzung von selbst. Bei größeren Perforationen kann eine Bauchspiegelung oder sogar eine offene Operation nötig sein , um die Verletzung zu versorgen. Das Risiko dafür liegt Schätzungen zufolge bei unter 0 , 5% [2].
Ein Langzeitrisiko , über das seltener gesprochen wird , ist die Entstehung von Verwachsungen in der Gebärmutterhöhle. Dieses sogenannte Asherman , Syndrom kann nach wiederholten oder sehr intensiven Ausschabungen auftreten. Die Verwachsungen können die Regelblutung verringern oder sogar zu Unfruchtbarkeit führen. Die Behandlung ist schwierig und erfordert oft eine operative Hysteroskopie.
"Die Komplikationsrate bei diagnostischen Kürettagen ist in erfahrenen Händen sehr niedrig. Entscheidend ist eine sorgfältige Indikationsstellung und eine schonende Operationstechnik , insbesondere bei jungen Frauen mit Kinderwunsch." , [OA Dr. med. , Gynäkologie und Geburtshilfe , Oberarzt an einem privaten Ordinationszentrum in Wien , 2024] [3]
Manchmal kommt es vor , dass die Kürettage nicht alle Gewebeveränderungen erfasst. Vor allem bei größeren Gebärmutterhöhlen oder wenn die Veränderungen nur fleckenhaft auftreten , kann ein Bereich übersehen werden. Deshalb wird die diagnostische Kürettage heute oft durch eine Hysteroskopie ergänzt oder sogar ersetzt. Dabei wird eine kleine Kamera in die Gebärmutter eingeführt , sodass der Arzt die Höhle direkt einsehen kann. Diese Methode bietet eine höhere Treffsicherheit.
Obwohl Komplikationen selten sind , ist es wichtig , die Warnzeichen zu kennen: starke Blutungen , Fieber , starke Schmerzen oder übelriechender Ausfluss erfordern sofortige ärztliche Abklärung.
Wohin kann ich mich wenden?
In Wien und Österreich gibt es ein dichtes Netz an Anlaufstellen. Der erste Weg führt immer zur eigenen Frauenärztin oder zum eigenen Frauenarzt in der Wahlarztpraxis. Sie können den Eingriff ambulant in ihrer Praxis durchführen , wenn sie entsprechend ausgestattet ist. Oft überweisen sie aber auch an ein Krankenhaus.
Für einen stationären Eingriff kommen alle öffentlichen und privaten Krankenhäuser mit einer gynäkologischen Abteilung in Frage. In Wien sind das unter anderem das AKH Wien (Allgemeines Krankenhaus) , das Krankenhaus Hietzing , das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern oder das Privatkrankenhaus Goldenes Kreuz. Die Wartezeiten für einen geplanten Eingriff können variieren.
Für einen Schwangerschaftsabbruch gelten spezielle Regelungen. Der Eingriff darf nur in dafür lizenzierten Einrichtungen durchgeführt werden.